Jetzt buchen!

ZDENEK ADAMEC Salzburger Festspiele

Salzburger Festspiele schauspiel Zdeněk Adamec


Zdeněk Adamec ist ein Schauspiel von Peter Handke (*1942)


Eine Szene
Uraufführung


in deutscher Sprache mit englischen Übertiteln

 

Friederike Heller, Regie

Sabine Kohlstedt, Bühne

Ulrike Gutbrod, Kostüme

Peter Thiessen, Musik

Andrea Vilter, Dramaturgie
 

Mitwirkende
Mit CHristian Friedel, Luisa-Céline Gaffron, André Kaczmarczyk, Eva Löbau, Nahuel Pérez Biscayart, Sophie Semin, Hanns Zischler und anderen

Eine Gruppe von Menschen findet sich zusammen. Ohne Nennung von Anzahl, Alter, Geschlecht oder Nationalität lässt der Autor sie aufeinandertreffen, so viele, „wie das Spiel, das unsrige, nötig haben wird“. Ein Gespräch entspinnt sich, scheinbar ohne Anlass und ohne eindeutige Zuordnungen zwischen Sprechenden und Gesprochenem, aber mit einem Thema, einer Geschichte: „Als Zdeněk Adamec, 18 Jahre alt, aus Humpolec im böhmischen Hoch­land, sich auf dem Wenzelsplatz in Prag verbrannte, war es ein Morgen, und es war Anfang März.“ Der historische Fall aus dem Jahr 2003 wird zum roten Faden in einem Textgewebe aus Fragen und Ant­worten, Vermutungen und Zweifeln, Informationen und Anekdoten. Während sich die Figuren um eine Rekonstruktion des Ereignisses in seinem politisch­-historischen Kontext bemühen, entsteht ein fiktives Psychogramm des jungen Tschechen Zdeněk Ada­mec, der sich mit seiner verstörenden Tat im Wort­sinn zum Fanal machen wollte gegen den von ihm als unerträglich wahrgenommenen Zustand der Welt. In Rede und Gegenrede formiert sich eine kleine (vielleicht internationale?) Gesellschaft.
„So oder so haben wir, Einheimische, Zugereiste, Inländer, Ausländer, Junge, Ältere, samt unseren verschiedenen Akzenten etwas von späten oder letzten Gästen.“ Im dialogischen Zusammentragen von Wissens­- und Erzählenswertem geraten die vom Autor explizit zum Spielen erdichteten Figuren unversehens in eine Reflexion über sich selbst und das eigene Verhältnis zur Welt. Deutlich vernimmt man in diesem musikalisch komponierten, mehr­stimmigen Sprechen Peter Handkes Stimme. Sein Text erscheint auch als eine Selbstbespiegelung des schon älteren Mannes im noch ganz jungen — eine poetische Gegenüberstellung und Sympathie­bekundung über die Zeit hinweg? Zdeněk Adamec ist aber auch eine literarische Suchbewegung nach der Möglichkeit zu leben am Beispiel eines tragisch Gescheiterten.
Peter Handke, einer der sprachmächtigsten Dichter unserer Gegenwart, schlägt in seinem neuesten Theaterstück einen spielerischen Ton an, der fast schwebend vom Sachlichen ins Flapsige, von der Ironie ins Pathos wechselt. Am Ende klingt so etwas wie Einverständnis an mit dem Unversöhnlichen in der Welt, eine friedlich-­heitere, unkommentierte Tapferkeit, die nicht zuletzt aus dem Miteinander­-Reden, aus der Sprache ihre Kraft zu gewinnen scheint.
 

Das Schauspiel Zdeněk Adamec findet im Landestheater statt.


Bild: Karl Forster