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REIGEN Salzburger Festspiele

Salzburger Festspiele Schauspiel Reigen


Nach Arthur Schnitzler (1862 - 1931)

Neufassung der zehn Dialoge von Lydia Haider, Sofi Oksanen, Leïla Slimani, Sharon Dodua Otoo, Leif Randt, Mikhail Durnenkov, Hengameh Yaghoobifarah, Kata Wéber, Jonas Hassen Khemiri und Lukas Bärfuss

Uraufführung

 

Yana Ross, Regie
Márton Ágh Bühne
Marysol del Castillo, Kostüme
Knut Jensen, Musik
Algirdas Gradauskas, Video
Tamás Bányai, Licht
Laura Paetau, Dramaturgie
 

BESETZUNG
Sibylle Canonica, Urs Peter Halter, Tabita Johannes, Michael Neuenschwander, Matthias Neukirch, Lena Schwarz, Yodit Tarikwa und andere
 

Das Schauspiel Reigen findet in der SZENE Salzburg statt.

 

Bild: Salzburger Festspiele

Zur Produktion Reigen
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„Laß mich mit deiner Philosophie in Frieden.

Wenn ich das haben will, lese ich Bücher.“ —

„Aus Büchern lernt man ja doch nie.“

Mit seinem Bühnenstück Reigen wollte Arthur Schnitzler über Intimität und Begehren sprechen, über Gejagte und Jäger*innen; den flüchtigen Raum zwischen zwei Menschen erlebbar machen, wenn die Chemie im Fluss ist. Schnitzler spricht über Sex – und jede*r tut es in seinem Stück mindestens ein- oder zweimal. Jedes Paar erklimmt dabei die soziale Leiter oder fällt diese hinunter. Ein Karussell der Libido und ein Jahrmarkt des Machthungers; ein Prater der Gefühle und Emotionen kurz vor der Katastrophe, denn der Erste Weltkrieg steht vor der Tür; Wien tanzt und flirtet am Rande des Abgrunds.

Immer haftet dem Sex auch ein Geheimnis an. Diesem Unausgesprochenen, aber intensiv Gelebten war Arthur Schnitzler auf der Spur, als er in Reigen zehn prototypische Figuren der Wiener Gesellschaft aufeinandertreffen ließ und damit ein Kaleidoskop der Liebesweisen schuf, das quer durch Klassen, Alter und Geschlechter diejenigen im Geheimen verband, die in der öffentlich legitimierten Ordnung einer Gesellschaft nicht zusammenfinden konnten.

Wir schreiben das Jahr 2022 und der Fokus liegt auf dem Jetzt. Wie steht es um das Bedürfnis der Frauen nach Emanzipation, Autonomie und Gleichberechtigung? Dürfen Fragilität und Zerbrechlichkeit Bestandteile von Männlichkeit sein? Feiern wir das Fluide zwischen den Geschlechtern oder widersetzen wir uns der Revolution der Pronomen? Wer sind wir heute im privaten und öffentlichen Raum und wer im Bett?

Zehn international bekannte Autor*innen wurden dazu eingeladen, Schnitzlers Regeln zu befolgen und zu brechen und je eine Szene des Originals zu überschreiben. Herausgekommen ist das Gegenteil eines Libido-Fiebers: Es gibt kaum Sex, aber es wird viel darüber diskutiert, worum es in einer Beziehung geht, was Partner*innen heute voneinander erwarten und wie man das eigene Knäuel aus Projektionen, Ängsten und Unsicherheiten entwirrt. Die Texte sind komisch, berührend und explosiv und stammen von brillanten Stimmen: Lydia Haider, Sofi Oksanen, Leïla Slimani, Sharon Dodua Otoo, Leif Randt, Mikhail Durnenkov, Hengameh Yaghoobifarah, Kata Wéber, Jonas Hassen Khemiri und Lukas Bärfuss.

Der Reigen knüpft an Themen der Gender- und Sexualitäts(er)forschung an, blickt auf Tabus und betrachtet Pornografie als popkulturelles Phänomen und gesellschaftsanalytisches Instrument. Schnitzlers Originalstück löste bei der Premiere 1920, 23 Jahre nach seiner Fertigstellung, eine Welle der Empörung aus und wurde im Anschluss vom Autor selbst für viele Jahre mit einem Aufführungsverbot belegt. Die Neuinszenierung von Yana Ross untersucht die Beziehung zum Original und wie die heutigen brisanten und gesellschaftsrelevanten Fragen um das Begehren nachhallen.

Yana Ross schloss ihren Master of Fine Arts an der Yale School of Drama (USA) ab. Ihre Inszenierungen sind auf den großen europäischen Bühnen von Island, Schweden und Norwegen bis nach Polen und Litauen zu sehen und prämiert. Seit 2019 ist Yana Ross Hausregisseurin am Schauspielhaus Zürich und künftig wird sie auch am Berliner Ensemble inszenieren. Ihre Arbeiten wurden unter anderem an der BAM (Brooklyn Academy of Music, NYC), beim Seoul Performing Arts Festival in Südkorea, beim Wuzhen Theatre Festival in China und beim Tampere International Festival in Finnland sowie bei den Wiener Festwochen präsentiert.